Frauen revolutionieren die Landwirtschaft – trotz alter Rollenbilder und struktureller Hürden
Felix SchneiderFrauen revolutionieren die Landwirtschaft – trotz alter Rollenbilder und struktureller Hürden
Frauen übernehmen zunehmend Führungsrollen in der deutschen Landwirtschaft – trotz jahrzehntelanger Ungleichheit
In Nordrhein-Westfalen wird Jessica Krebbing bald die erste Frau sein, die den elterlichen Milchviehbetrieb leitet. Andere wie Anne Unterhansberg und Lea Im Brahm gestalten traditionelle Höfe mit frischen Ideen um. Doch bundesweit wird nur etwa jede zehnte Landwirtschaft von einer Frau geführt – bei Großbetrieben ist der Anteil noch geringer.
Jessica Krebbing, 32, übernimmt in Hamminkeln demnächst den Familienbetrieb. Gemeinsam mit ihrem Mann wird sie 200 Milchkühe sowie 100 Kälber und Jungtiere betreuen. Zu ihren täglichen Aufgaben gehören Füttern, Melken, Besamung, das Einstreuen der Ställe, das Abdecken der Silos und die Vorbereitung der Weidezeit im Frühling.
Ihre Mutter, Christa Krebbing, wurde auf dem Hof oft übergangen – Vertriebsmitarbeiter ignorierten ihre Arbeit jahrzehntelang, obwohl sie Seite an Seite mit ihrem Mann schuftete. Jessicas Generation profitiert heute von moderner Technik wie Melkrobotern, die körperliche Belastung verringern und Zeit für Managementaufgaben schaffen.
Auch Anne Unterhansberg und Lea Im Brahm haben den elterlichen Buchholzhof in Mülheim an der Ruhr umkrempelt: Anne führte mobile Hühnerställe ein und betreibt eine Pferdepension, während Lea ihren Vater überzeugte, Apfelbäume zu pflanzen. Ihr Direktvermarktungsansatz zeigt einen Trend, bei dem Frauen vor allem in Marketing und Diversifizierung Innovationen vorantreiben.
In Niedersachsen leiten Frauen nur 5 % der Betriebe über 50 Hektar. In Thüringen ist der Anteil mit 16 % höher – wie viele Großbetriebe darunter sind, bleibt jedoch unklar. Bundesweit führen Frauen etwa 10–11 % der Höfe, meist kleinere oder diversifizierte Betriebe. Zur Unterstützung bietet der Staat über die Landwirtschaftskammer Vernetzungsveranstaltungen und Beratungsprogramme an.
Der Wandel hin zu weiblicher Führung in der Landwirtschaft vollzieht sich langsam, aber sichtbar. Technik und staatliche Fördermaßnahmen helfen Frauen, traditionelle Hürden zu überwinden. Je mehr Verantwortung sie übernehmen, desto stärker prägen sie die Zukunft der Höfe – mit neuen Ideen und Arbeitsweisen.