"Flying Tigers": Wie ein Film Kriegsgeschichte und Migration zwischen Assam und Kunming verbindet
Moritz Neumann"Flying Tigers": Wie ein Film Kriegsgeschichte und Migration zwischen Assam und Kunming verbindet
Flying Tigers: Wie die Filmemacherin Madhusree Dutta Geschichte, Erinnerung und Migration verbindet
In ihrem neuesten Werk Flying Tigers verwebt die Regisseurin Madhusree Dutta Geschichte, Erinnerung und Migration zwischen Assam und Kunming. Den Anstoß für das Projekt gab die Demenz ihrer Mutter, die vergessene Geschichten aus Assam wachrief – und Dutta so auf die Spur eines Kriegsvermächtnisses brachte. Mit einer Mischung aus Recherche, Kunst und persönlicher Reflexion erkundet der Film, wie vergangene Konflikte bis heute das Leben prägen.
Im Mittelpunkt steht die Luftbrücke "The Hump" während des Zweiten Weltkriegs. Zwischen 1942 und 1945 flogen US-Piloten Versorgungsgüter von Assam nach Kunming, überquerten dabei den Himalaya, um China im Kampf gegen Japan zu unterstützen. Die Operation verwandelte Kunming in eine pulsierende Drehscheibe, in der Schwarzmärkte mit geschmuggelten Waren blühten – selbst ein britisches Kolonialklavier aus Assam fand hier seinen Weg. Doch die Luftbrücke zerstörte auch das ökologische Gleichgewicht der Region: Tiger wurden aus ihren Dschungeln vertrieben und drangen in Dörfer vor.
Eine besondere Wendung erhält der Film, als Dutta auf die chinesische Künstlerin Mi You trifft. Die gemeinsame Familiengeschichte mit der Luftbrücke inspirierte eine Zusammenarbeit, die Recherche und künstlerischen Ausdruck verbindet. Gemeinsam untersuchen sie hybride Räume – von der Chongqing-Duisburg-Eisenbahn bis zum Leben der deutschen Trümmerfrauen, jener Frauen, die nach dem Krieg die Städte von Schutt befreiten.
Vor Ort in Assam führt der lokale Guide Purav Goswani das Team zu Überresten der alten Ledo Road und den schwimmenden Inseln des Brahmaputra. Diese Inseln, bewirtschaftet von der Miya-Gemeinschaft, sind durch Indiens Nationales Bürgerregister bedroht, das sie an den Rand der Gesellschaft drängen oder sogar internieren könnte. Duttas Film hält ihren Kampf fest – eingebettet in die vielschichtige Vergangenheit der Region.
Die Erzählweise entfaltet sich wie ein Collage: Kinder tanzen, Flussufer-Kunstinstallationen entstehen, inszenierte Dialoge bringen Recherchen zum Leben. Jedes Element spiegelt den Kern des Films wider – die verschwimmenden Grenzen zwischen Geschichte, Identität und Überleben.
Flying Tigers verknüpft Kriegsvergangenheit mit heutigen Herausforderungen, von ökologischen Verschiebungen bis zum Kampf der Miya-Gemeinschaft um Anerkennung. Der Film ist zugleich persönliche Spurensuche und Dokumentation, wie vergangene Konflikte in der Gegenwart nachhallen. Durch Kunst und Forschung bewahrt er diese Geschichten vor dem Vergessen.