Europas zersplitterte Rüstungsindustrie: Warum 500 Milliarden Euro zu wenig bringen
Felix SchneiderEuropas zersplitterte Rüstungsindustrie: Warum 500 Milliarden Euro zu wenig bringen
Europas Rüstungsindustrie steht wegen Ineffizienz und Zersplitterung zunehmend in der Kritik. Trotz jährlicher Ausgaben von fast 500 Milliarden Euro hinkt der Kontinent bei den militärischen Fähigkeiten den USA weit hinterher. Politiker und Experten drängen nun auf dringende Reformen, um die Produktion zu straffen und die Innovation zu fördern.
Das Ausmaß der europäischen Rüstungsineffizienz zeigt sich in jüngsten Vergleichen: Während die USA nur ein Hauptkampfpanzer-Modell betreiben – den M1 Abrams –, unterhält Europa 14 verschiedene Typen. Ähnlich verhält es sich bei Torpedos: Die USA setzen drei Modelle ein, Europa hingegen 24. Diese Zersplitterung treibt die Kosten in die Höhe und verringert die Produktionskapazitäten, sodass der Kontinent trotz eines Verteidigungsbudgets von etwa 60 Prozent des US-Haushalts deutlich schwächere Streitkräfte vorweisen kann.
Das Problem beschränkt sich nicht auf die Hardware. Die Produktion des Luftabwehrsystems Iris TLM wurde zwar verdoppelt, doch bedeutet das lediglich einen Anstieg von drei auf sechs Feuerleiteinheiten. Gleichzeitig soll Europas Gesamtverteidigungsausgabe 2025 auf 550 Milliarden Dollar steigen – 150 Milliarden mehr als China –, doch mit weitaus geringerer Effizienz.
Die Forderungen nach einem Wandel werden lauter. Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, hat Verteidigungsminister Boris Pistorius und Wirtschaftsministerin Katharina Reiche zu engerer Zusammenarbeit aufgefordert. Ihre Region strebt an, bis 2029 zum führenden Rüstungsstandort Deutschlands zu werden, unterstützt Technologieunternehmen und schafft einen eigenen Industriecluster. Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, schlägt vor, mindestens 10 Prozent des europäischen Verteidigungsbudgets von 150 Milliarden Euro in Forschung umzulenken.
Auch Militärs melden sich zu Wort. Generalleutnant Gert Nultsch und Vizeadmiral Thomas Daum betonen, dass sich die Industrie an moderne, datengestützte Kriegsführung anpassen müsse. Ohne schnellere Innovationen und bessere Koordination, warnen sie, werde Europa weiter zurückfallen.
Der Reformdruck wächst, während Europas Verteidigungsausgaben zwar höher sind als die Chinas, aber deutlich weniger Fähigkeiten bieten. Die Verantwortlichen stehen nun unter Zugzwang, Verschwendung zu stoppen, die Produktion zu bündeln und in zukunftsweisende Technologien zu investieren. Ohne diese Änderungen droht die Kluft zwischen Europa und seinen Konkurrenten noch größer zu werden.






