12 April 2026, 02:02

Einsamkeit und Statusverlust: Das vergessene Leid der ersten Gastarbeitergeneration

Schwarze und weiße Zeichnung eines mehrstöckigen Gebäudes mit zahlreichen Fenstern und einem prominenten Schornstein, das als psychiatrische Klinik in Deutschland bezeichnet wird, mit handgeschriebener Text auf dem Papier.

Einsamkeit und Statusverlust: Das vergessene Leid der ersten Gastarbeitergeneration

Vor über 60 Jahren warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Unter ihnen waren auch die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, dessen Mutter später mit schweren psychischen Problemen kämpfte. Ihre Geschichte steht exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen ältere Migrantinnen und Migranten konfrontiert sind – viele von ihnen leiden im Alter unter Einsamkeit und Isolation.

Çevikkollus Mutter kam im Rahmen des Gastarbeiterprogramms nach Deutschland und ließ dabei ihre Karriere als Grundschullehrerin in der Türkei hinter sich. In Deutschland arbeitete sie als Näherin – ein Wechsel, der bei ihr ein tiefes Gefühl des "Statusverlusts" auslöste. Jahrelang hielt die Familie an der Hoffnung fest, irgendwann in die Heimat zurückkehren zu können. Diese Perspektive schwand jedoch, als das Rotationsprinzip in den 1970er-Jahren abgeschafft wurde.

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In ihren späteren Jahren entwickelte sie eine Psychose und lebte allein, ihr Zustand verschlechterte sich ohne angemessene Unterstützung. Ihr Schicksal ist kein Einzelfall: Nur etwa zehn Prozent der über 65-Jährigen mit Migrationshintergrund finden jemals den Weg in psychiatrische Kliniken. Sprachliche Barrieren, kulturelle Missverständnisse und unterschiedliche Krankheitskonzepte halten viele davon ab, Hilfe zu suchen. Häufig beschreiben Betroffene psychisches Leid durch körperliche Symptome, was die Diagnose und Behandlung zusätzlich erschwert.

Es gibt zwar Ansätze zur Verbesserung der Versorgung, wie etwa den interkulturellen ambulanten Dienst der LWL-Klinik, der kultursensible Therapien anbietet. Doch der Zugang bleibt begrenzt. Fachleute betonen, wie dringend mehrsprachige Angebote, Dolmetscherdienste und auf verschiedene kulturelle Hintergründe zugeschnittene Therapien benötigt werden, um diese Lücke zu schließen.

Die Schicksale älterer Migrantinnen und Migranten wie der Mutter von Fatih Çevikkollu offenbaren die Defizite in der psychischen Gesundheitsversorgung dieser Gruppe. Ohne besseren Zugang zu kultursensiblen Angeboten werden viele weiterhin mit Isolation und unbehandelten Erkrankungen leben müssen. Kliniken und Politiker stehen nun unter Druck, die Unterstützungssysteme auszubauen, um ihren spezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Quelle