15 March 2026, 20:01

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum die Auflage des Obdachlosenmagazins einbricht

Schwarzes und weißes Porträt einer Frau auf dem Cover einer Zeitschrift, die ein weißes Kleid und einen gemusterten Schal trägt, mit der Aufschrift "Die Krise".

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum die Auflage des Obdachlosenmagazins einbricht

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen und marginalisierten Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang seiner Auflage. Noch vor kurzem wurden 40.000 Exemplare gedruckt – heute sind es weniger als 12.000 pro Monat. Der Schwund spiegelt die allgemeinen Schwierigkeiten der Printmedien wider, aber auch die wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen auf den Straßen.

Das Magazin ist für viele Obdachlose eine Überlebenshilfe: Es bietet die Möglichkeit, Geld mit Würde zu verdienen. Die Verkäufer:innen behalten die Hälfte des Verkaufspreises, der Rest fließt in soziale Projekte wie Straßenhilfe oder die medizinische Versorgung herrenloser Hunde. Für manche ist der Verkauf von "fiftyfifty" zudem eine Quelle von Zugehörigkeit und Sinn.

Steigende Kosten haben den Preis des Magazins von 2,80 auf 3,40 Euro getrieben. Trotzdem gehen die Verkaufszahlen weiter zurück – ein Trend, der sich in ganz Deutschland zeigt. Andere Straßenzeitungen wie der "Berliner Strassenfeger" oder die "Münchner Strassenzeitung" haben seit 2010 zwischen 50 und 80 Prozent ihrer Printauflage verloren. Viele setzen inzwischen auf digitale Abos, Crowdfunding oder Kooperationen mit NGOs, um zu überleben.

Doch "fiftyfifty" ist mehr als nur ein Verkaufsprodukt: Es dient als Sprachrohr, das Missstände anprangert und die Politik in Sachen Obdachlosigkeit kritisiert. Das Magazin schlägt Brücken zwischen Verkäufer:innen, Leser:innen und Gesellschaft und hält das Thema präsent. Finanziert wird es vor allem über den Verkauf, doch Spenden und Erlöse aus einer Wohltätigkeitsgalerie unterstützen ebenfalls die soziale Arbeit.

Für den Auflagenrückgang macht das Team nicht nur die Krise der Printmedien verantwortlich, sondern auch zunehmenden Rassismus und Feindseligkeit – besonders gegenüber Verkäufer:innen mit Migrationshintergrund. Viele werden mittlerweile beschimpft oder angegriffen, wenn sie versuchen, das Magazin zu verkaufen.

Der Rückgang der Verkaufszahlen bedroht eine wichtige Einnahmequelle für obdachlose Verkäufer:innen. Ob "fiftyfifty" überlebt, hängt davon ab, ob der Wandel zu digitalen Modellen gelingt und alternative Finanzierungsquellen erschlossen werden. Ohne diese Anpassungen könnten sowohl die Verkäufer:innen als auch die sozialen Projekte, die sie tragen, vor noch größeren Herausforderungen stehen.

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