Die älteste spielbare Orgel der Welt steht in einer kleinen Kirche bei Soest
Moritz NeumannDie älteste spielbare Orgel der Welt steht in einer kleinen Kirche bei Soest
Eine kleine Kirche in Östönnen bei Soest birgt einen außergewöhnlichen Schatz: die älteste spielbare Orgel der Welt. Das Instrument in der St.-Andreas-Kirche feierte in diesem Jahr seinen 601. Geburtstag. Sein Überdauern verdankt es ironischerweise dem Mangel an Mitteln für Modernisierungen – ein Umstand, der handwerkliche Meisterleistung aus dem Mittelalter für die Nachwelt bewahrte.
Die Ursprünge der Orgel reichen bis etwa 1425 zurück, doch exakte Aufzeichnungen über ihr Entstehungsdatum oder ihren Erbauer fehlen. Fachleute vermuten, dass Conrad von Höxter, auch Conrad von Paderborn genannt, sie schuf. Mit einer Höhe von vier Metern und einer Breite von zwei Metern umfasst sie 578 Bleipfeifen – mehr als die Hälfte davon stammt aus der Zeit um 1500. Noch älter ist die Windlade, die älteste ihrer Art, die noch in Betrieb ist: Sie wurde bereits um 1410 gefertigt.
Die hölzernen Bauteile und filigranen floralen Schnitzereien verleihen der Orgel den Ruf eines „orgelhistorischen Juwels“. Ihr Klang bietet ein seltenes Fenster in die Spätphase mittelalterlicher Musik und begeistert sowohl Experten als auch Besucher. Die Gemeinde von St. Andreas weiß um ihren Wert und veranstaltet Konzerte, um die einzigartigen Klänge einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Pfarrer Volker Kluft sieht seine Aufgabe darin, das Instrument für künftige Generationen zu bewahren. Auch der Organist Leon Berben plädiert für eine behutsame Pflege ohne Veränderungen. Beide betonen, wie entscheidend es ist, die ursprüngliche Form zu erhalten – damit die Orgel noch lange so erklingt wie seit Jahrhunderten.
Die Orgel bleibt eine lebendige Verbindung ins Mittelalter, ihr Fortbestand ein Ergebnis von Handwerkskunst und glücklichen Umständen. Ihr Alter, ihre Seltenheit und der unversehrte Zustand machen sie zu einem Anziehungspunkt für Musikliebhaber und Historiker gleichermaßen. Mit kontinuierlicher Sorgfalt wird die St.-Andreas-Kirche dieses außergewöhnliche Instrument auch in Zukunft bespielbar halten.