04 April 2026, 10:02

Bottrop diskutiert Abtreibungsrechte beim Safe Abortion Day mit dystopischer Lesung

Offenes Buch mit dem Titel 'Eine Abhandlung über den unglücklichen Zustand der Praxis der Medizin in London' zeigt eine Seite mit schwarzer Tinte.

Bottrop diskutiert Abtreibungsrechte beim Safe Abortion Day mit dystopischer Lesung

Bottrop begehte den Safe Abortion Day mit einer literarischen Veranstaltung

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Am 26. September 2025 veranstaltete die Stadt Bottrop zum Tag für sichere Abtreibung eine Lesung im Filmforum der VHS Bottrop. Die Autorin Nora Burgard-Arp las aus ihrem dystopischen Roman "Wir nicht", der eine Zukunft entwirft, in der Frauen ihre reproduktiven Rechte aberkannt werden. Organisiert vom Gleichstellungsbüro der Stadt zog der Abend ein volles Haus an und löste intensive Diskussionen über politische Verantwortung und die Abtreibungsgesetze in Deutschland aus.

Burgard-Arps Debütroman erzählt die Geschichte von Mathilda, einer jungen Frau, die sich zunächst einem unterdrückerischen Regime unterwirft – bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Widerstand zwingt. Die Handlung begleitet sie, während sie ihre Situation verbirgt und sich gegen die Kontrolle des Systems über die Körper von Frauen auflehnt. Nach der Lesung entwickelte sich im Publikum eine lebhafte Debatte darüber, wie eine solche Dystopie verhindert werden kann.

Im Rahmen der Veranstaltung gab es zudem eine Buchsignierstunde, bei der alle Exemplare von "Wir nicht" vergriffen waren. In Kooperation mit der Bottroper Humboldt-Buchhandlung standen Besucherinnen und Besucher Schlange, um sich ihr Buch von der Autorin signieren zu lassen. Burgard-Arp, die auf Einladung von Lehrkräften auch kostenlose Lesungen an Schulen anbietet, nutzte den Abend, um auf den anhaltenden Kampf um reproduktive Rechte aufmerksam zu machen.

Die deutschen Abtreibungsgesetze haben seit 1871 eine wechselvolle Geschichte: Damals wurde der Schwangerschaftsabbruch mit § 218 StGB erstmals unter Strafe gestellt. Reformbestrebungen setzten in den 1920er-Jahren ein, angeführt von Persönlichkeiten wie Magnus Hirschfeld, und gewannen in den 1970er-Jahren durch feministische Kampagnen an Fahrt. Heute ist Abtreibung unter Beratungsauflagen bis zur 12. Woche legal – doch die Debatten reißen nicht ab. Der jährlich am 28. September begangene Safe Abortion Day setzt sich weltweit für den Zugang zu sicheren Abtreibungen ein, ein Anliegen, das das Bottroper Gleichstellungsbüro aktiv unterstützt.

Der Abend endete mit einer klaren Botschaft: Der Kampf um reproduktive Rechte geht weiter. Burgard-Arps Roman und die dadurch angestoßenen Diskussionen spiegelten die gesellschaftlichen Spannungen wider – von den politischen Gräben um den § 218 bis hin zu globalen Bewegungen wie dem Safe Abortion Day. Für Bottrop unterstrich die Veranstaltung das Engagement der Stadt, sich für eine Reform der deutschen Abtreibungsgesetze einzusetzen.

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