Bessere Arbeitsbedingungen für ÖPNV-Beschäftigte in NRW – doch wer zahlt die Rechnung?
Moritz NeumannBessere Arbeitsbedingungen für ÖPNV-Beschäftigte in NRW – doch wer zahlt die Rechnung?
Beschäftigte im Öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen erhalten bald bessere Arbeitsbedingungen – dank einer neuen Vereinbarung, die kürzere Arbeitszeiten, längere Ruhepausen und höhere Sonntagszuschläge vorsieht. Die Änderungen könnten den Sektor für Arbeitssuchende attraktiver machen, bringen für Betreiber wie etwa in Solingen jedoch auch höhere Kosten mit sich.
Bisher lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Mitarbeiter in der Region bei 39 Stunden – und damit bereits unter dem Bundestrend, wo in vielen Branchen die Arbeitszeiten gestiegen sind. Nach dem neuen Tarifvertrag sinkt die Wochenarbeitszeit schrittweise: auf 38,5 Stunden bis Juli 2027 und auf 38 Stunden bis Juli 2028 – ohne Lohnkürzungen.
Zudem werden die gesetzlichen Ruhezeiten ausgeweitet und die Sonntagszuschläge erhöht. Ziel ist es, die Personalgewinnung und -bindung in einer Branche zu stärken, die unter Fachkräftemangel leidet. Doch um das gleiche Servicelevel mit weniger Arbeitsstunden aufrechtzuerhalten, werden voraussichtlich mehr Beschäftigte benötigt – was die Personalkosten in die Höhe treibt.
Die finanzielle Belastung trifft die Verkehrsbetriebe, die drei mögliche Wege zur Gegenfinanzierung haben: öffentliche Mittel der Kommunen, staatliche Zuschüsse oder Ticketpreiserhöhungen. Zwar sind kurzfristige Preisanpassungen unwahrscheinlich, doch langfristig könnten Fahrgäste in Solingen mit höheren Fahrkosten rechnen. Ohne zusätzliche Förderung könnte der Druck auf die Tarife weiter steigen.
Die Vereinbarung stärkt zudem den Schutz für kurzfristig und in Vollzeit Beschäftigte im ÖPNV. Die Betreiber stehen nun vor steigenden Ausgaben – und ohne weitere öffentliche Gelder könnten die Fahrpreise mittelfristig anziehen. Die Änderungen treten schrittweise in Kraft, wobei die erste Arbeitszeitverkürzung für Mitte 2027 geplant ist.






