29 November 2025, 06:06

Bertelsmanns riskanter Neuanfang: Streaming, Zensur und die Rückkehr der Gründerfamilie

Eine Konferenzszene mit Sitzenden, die einer Bühne zugewandt sind, auf der eine Diskussion zwischen Medienvertretern und Eigentümern stattfindet, mit einem großen Banner und einer Wand im Hintergrund.

Bertelsmanns riskanter Neuanfang: Streaming, Zensur und die Rückkehr der Gründerfamilie

Bertelsmann, einst eine dominierende Kraft in der globalen Medienlandschaft, vollzieht unter neuer Führung und wachsendem Marktdruck strategische Kurswechsel. Das Unternehmen kehrt zurück in den Einfluss der Gründerfamilie, während es gleichzeitig mit Herausforderungen in Sachen Innovation und Wettbewerb kämpft. Zu den jüngsten Schritten zählen riskante Investitionen in Streaming-Dienste sowie juristische Auseinandersetzungen gegen Buchverbote in den USA.

Die RTL Group, Teil des Bertelsmann-Konzerns, drängt mit der Plattform RTL und der Übernahme von Sky Deutschland verstärkt in den Streaming-Markt vor. Beide Dienste sollen bis Jahresende in Deutschland 11,5 Millionen zahlende Abonnenten erreichen – und damit fast auf Augenhöhe mit Amazon und Netflix in der Region liegen.

International sorgte Bertelsmann für Schlagzeilen, als es gegen von Republikanern geführte US-Bundesstaaten wegen Buchverboten klagte. Im Fokus stehen Werke von oder über People of Color und LGBTQ+-Autor:innen, die zunehmend Ziel von Zensurmaßnahmen sind. Gleichzeitig offenbart RTLs Abhängigkeit von lizenzierten Formaten wie ‚Gute Zeiten, schlechte Zeiten‘ oder ‚Deutschland sucht den Superstar‘ ein Defizit an eigenproduzierten Inhalten.

Um die einstige TV-Vorherrschaft zurückzugewinnen, lockte RTL den Entertainer Stefan Raab mit einem Produktionsbudget von mindestens 90 Millionen Euro aus dem Halb-Ruhestand. Doch der Sender verlor wichtige Fußballrechte an DAZN, nachdem US-Mediengiganten bei der Versteigerung der UEFA Europa- und Conference-League-Spiele den Zuschlag erhalten hatten. Um die Verluste abzufedern, wird RTL an diesem Weihnachten die ‚Sissi‘-Filme mit Werbeunterbrechungen ausstrahlen – ein kleiner finanzieller Puffer zum Jahresende.

Unter dem scheidenden Vorstandsvorsitzenden Thomas Rabe stieg Bertelsmann durch Penguin Random House zum weltweit größten Buchverlag auf. Doch im aktuellen Ranking der ‚100 größten Medien- und Wissensunternehmen‘ belegt das Unternehmen nur noch Platz 16. Die Führung übernimmt ab dem 1. Januar 2027 Thomas Coesfeld, ein Enkel des Firmengründers Reinhard Mohn.

Die Zukunft von Bertelsmann hängt nun von drei Faktoren ab: dem Wachstum im Streaming-Bereich, den juristischen Kämpfen gegen Zensur und der Rückkehr zur Familienführung. Ob es dem Konzern gelingt, mit US-Medienriesen mitzuhalten und seine kreativen Kräfte zu erneuern, wird das nächste Kapitel bestimmen. Bisher deutet RTLs Strategie – geprägt von hohen Budgets und alten Formaten – jedoch auf begrenzte Innovationskraft hin.