10 December 2025, 13:09

Abschied nach dem Aufschwung: Senftenbergs Theater verliert seinen künstlerischen Leiter

Ein Mann in einem pink-weißen Kleid steht neben einem Podium in einem Auditorium, mit Pflanzen und zwei Stühlen daneben und einer bunten Wand im Hintergrund.

Abschied nach dem Aufschwung: Senftenbergs Theater verliert seinen künstlerischen Leiter

Ich ringe, also bin ich

Eine Turnhalle wird zur Theaterbühne – und mit ihr die Erinnerungen an den DDR-Sport. Mit dem künstlerischen Leiter geht es weniger sportlich zu.

Daniel Ris, künstlerischer Leiter der Neuen Bühne Senftenberg, wird 2027 sein Amt verlassen, nachdem sein Vertrag nicht verlängert wurde. Die Entscheidung fällt trotz seiner Erfolge bei der Wiederbelebung des regionalen Profils des Theaters und der Steigerung der Zuschauerzahlen. Die genauen Gründe für den Schritt wurden von offizieller Seite bisher nicht näher erläutert.

Ris hatte 2022 die Leitung des Theaters mit einem auf fünf Jahre angelegten Vertrag übernommen, der ursprünglich bis 2027 laufen sollte. Im März 2025 erfuhr er, dass seine Position wie geplant enden werde – ohne Aussicht auf Verlängerung. Der Zweckverband „Neue Bühne – Niederlausitzer Theaterstädtebund Senftenberg“ plant nun, ab dem 1. September 2027 eine Nachfolge auszuschreiben.

Seine Amtszeit fällt in eine Phase des Aufschwungs für das Haus. Unter seiner Führung erlangte die Neue Bühne Senftenberg wieder regionale Aufmerksamkeit, ähnlich wie in ihren Glanzzeiten der DDR. Spektakuläre Saisoneröffnungen an historischen Stätten lockten größere Zuschauerzahlen an und steigerten die Eigenmittel des Theaters. Die jüngste Produktion im September 2025 setzte sich mit dem Erbe der DDR-Sportkultur auseinander – eine Mischung aus Satire und Debatten über Doping sowie den extremen Einsatz für sportlichen Erfolg.

Doch die Gründe für die Trennung bleiben unklar. Bürgermeister Andreas Pfeiffer bestätigte zwar Ris’ künstlerische Kompetenz, verwies aber auf strukturelle Reformen und mögliche Konflikte angesichts der von der AfD geprägten Haltung in der Region. Gerüchte ranken sich um Ris’ gleichgeschlechtliche Partnerschaft, seine deutliche Positionierung gegen rechtsextreme Gruppen und seinen unkonventionellen Lebensstil. Zudem gab es Vorbehalte gegen seinen Führungsstil und seine Zusammenarbeit, ohne dass konkrete Vorwürfe öffentlich wurden. Ein strittiger Finanzposten in Höhe von 250.000 Euro wird mit seiner Amtszeit in Verbindung gebracht, doch die Details bleiben vage.

Ris äußerte sich frustriert, bleibt aber auf seine Arbeit konzentriert. Derweil bereitet er seine vierte und letzte Spielzeit vor und sucht gleichzeitig nach neuen beruflichen Perspektiven.

Die Suche nach einem Nachfolger soll bald beginnen, die Stelle wird 2027 ausgeschrieben. Mit Ris’ Abgang endet eine Ära, in der die Neue Bühne Senftenberg ihren kulturellen Fußabdruck zurückerobert hat. Wie es für ihn weitergeht – und welche Richtung das Theater einschlagen wird – bleibt vorerst offen.