Abriss am BVB-Wohnkomplex: Mieter kämpfen um ihr Zuhause bis April
Moritz NeumannAbriss am BVB-Wohnkomplex: Mieter kämpfen um ihr Zuhause bis April
Abbrucharbeiten am BVB-Wohnkomplex in Dortmund in vollem Gange
Am Wohnkomplex des Volkswohlbunds in Dortmund, nahe dem Stadion des Borussia Dortmund, laufen die Abbrucharbeiten auf Hochtouren. Bis Februar 2026 waren bereits zwei der fünf geplanten Gebäude abgerissen, ein drittes befindet sich derzeit im Abriss. Die verbleibenden Mieter, darunter die 90-jährige Lieselotte Hoeber, müssen bis Ende April ihre Wohnungen räumen – der Versicherungskonzern treibt seine Umstrukturierungspläne unerbittlich voran.
Sämtliche 36 Haushalte in den fünf Gebäuden erhielten identische Kündigungsschreiben, was Zweifel an deren rechtlicher Haltbarkeit aufkommen lässt. Der Volkswohlbund, der hinter dem Projekt steht, begründet den Abriss mit "mangelnder Wirtschaftlichkeit". Laut eigener Einschätzung des Unternehmens wären Sanierungen der Bestandsbauten teurer als Neubauten.
Doch nur wenige Straßen weiter modernisiert derselbe Konzern zwei andere Wohngebäude – ein Beweis, dass Aufwertungen sehr wohl möglich sind. Mieter und der örtliche Mieterverein weisen die Argumentation des Vermieters als "völligen Unsinn" zurück und werfen ihm Täuschung vor. Viele fühlen sich im Stich gelassen, da ihnen die geltenden Baugesetze kaum rechtliche Mittel gegen die Räumungen bieten.
Einige Bewohner sind bereits in frisch sanierte Wohnungen umgezogen, Gerüchten zufolge mit finanziellen Anreizen des Vermieters, um den Umzug zu erleichtern. Lieselotte Hoeber jedoch hat nach monatelangem Widerstand widerwillig kapituliert. Mit 90 Jahren steht sie nun vor der schwierigen Aufgabe, umzuziehen – vermutlich in eines der modernisierten Gebäude. Die einst breite Opposition, zu der auch Stadtplaner und Architekten zählten, ist derweil verflogen. Nur eine kleine Solidaritätsgruppe unterstützt noch die verbliebenen Mieter.
Der Abriss ebnet den Weg für Neubauten, doch der Prozess lässt Langzeitmieter wie Hoeber kaum Alternativen. Mit ausgeschöpften politischen und rechtlichen Mitteln müssen die letzten Haushalte nun bis zum Stichtag am 30. April ausziehen. Der Fall zeigt exemplarisch, welche Herausforderungen Mieter bewältigen müssen, wenn Investoren Umstrukturierung über Bestandserhalt stellen.