Aachener Debatte: Wie die EU ihre umstrittene Asylpolitik neu gestaltet
Felix SchneiderAachener Debatte: Wie die EU ihre umstrittene Asylpolitik neu gestaltet
In Aachen findet eine öffentliche Diskussion zur EU-Grenz- und Asylpolitik statt, geleitet vom Politikwissenschaftler Siebo Janssen. Die Veranstaltung im Grashaus ist kostenfrei, erfordert jedoch eine Anmeldung über die Website des Europa-Dienstags. Zu den Organisatoren zählen das EUROPE DIRECT Informationszentrum, das Europäische Klassenzimmer der Route Charlemagne sowie die Bischöfliche Akademie Aachen.
Das Thema bleibt hochumstritten – besonders vor dem Hintergrund der politischen Rechtsverschiebung in Europa, die die Herangehensweise an Migration und Asyl prägt. Aktuelle Reformen und anstehende Änderungen verleihen der Debatte zusätzliche Dringlichkeit.
Die Asylpolitik der EU wurde grundlegend überarbeitet: Im April 2024 wurde der GEAS (Neuer Migrations- und Asylpakt) verabschiedet. Die neuen Regeln, die ab dem 12. Juni 2026 gelten sollen, sehen beschleunigte Grenzverfahren, strengere Überprüfungen und Abschiebungen in Drittstaaten auf Basis von Abkommen vor. Zudem wird eine Liste sicherer Herkunftsländer – darunter Marokko, Tunesien und Ägypten – eingeführt. Gleichzeitig wurde der Schutz für ukrainische Geflüchtete bis zum 4. März 2027 verlängert.
In Deutschland gingen die Asylanträge 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent zurück. Dennoch laufen die Verhandlungen zwischen den zentralen EU-Gremien weiter: Die Europäische Kommission hat Rückführungszentren und neue Regelungen vorgeschlagen, während der Rat der EU im Dezember 2025 eine gemeinsame Position zur Rückkehrpolitik beschloss. Das Europäische Parlament stimmt derzeit über Abschiebevorschriften und die Einstufung sicherer Herkunftsstaaten ab; die Gespräche zwischen Parlament und Rat dauern an. In Deutschland beraten Bundeskabinett, SPD und Union über die Umsetzung des GEAS – darunter auch über Haftmaßnahmen. Die konservative EVP-Fraktion hat sich zudem mit rechtspopulistischen Gruppen verbündet, was die Debatte zusätzlich prägt.
Die Veranstaltung in Aachen wird diese Entwicklungen vertiefen, moderiert von Siebo Janssen. Für alle, die nicht vor Ort teilnehmen können, gibt es einen Livestream.
Die Diskussion fällt in eine entscheidende Phase: Die EU-Asylpolitik steht vor tiefgreifenden Reformen und wachsendem politischem Druck. Angesichts verschärfter Regeln und sich wandelnder Machtverhältnisse wird es darum gehen, wie die Mitgliedstaaten reagieren. Eine Anmeldung – ob für die Präsenzveranstaltung oder die Online-Teilnahme – ist weiterhin möglich.