09 January 2026, 16:56

85.000 junge Menschen ohne Lehrstelle: Warum die Ausbildung in Deutschland scheitert

Ein kleiner Zug, der für Kinder entworfen wurde, fährt auf Schienen zwischen einem Baumstamm und einigen Blättern auf der rechten Seite des Bildes.

85.000 junge Menschen ohne Lehrstelle: Warum die Ausbildung in Deutschland scheitert

Der Ausbildungsmarkt bleibt für junge Menschen in Deutschland eine Herausforderung: Noch immer haben Ende September 2025 fast 85.000 Bewerberinnen und Bewerber keine Lehrstelle gefunden. Expertinnen, Experten und Wirtschaftsführer zeigen sich besorgt über hohe Abbrecherquoten, veränderte Prioritäten bei Auszubildenden und eine wachsende Kluft zwischen Arbeitgebern und der jüngeren Generation.

Bei einer kürzlichen Diskussion in Remscheid betonten Vertreter aus Bildung und Wirtschaft die Notwendigkeit besserer Kommunikation und Unterstützungssysteme, um diese Probleme anzugehen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) meldete, dass fast 30 Prozent der Auszubildenden ihre Verträge vorzeitig beenden. Viele von ihnen beginnen später eine neue Ausbildung – ein Hinweis darauf, dass Unzufriedenheit und nicht mangelndes Interesse an einer Berufsausbildung insgesamt der Grund ist. Hubert Ertl, Forschungsdirektor des BIBB, forderte, die Ängste junger Menschen ernst zu nehmen, insbesondere ihre Sorgen um finanzielle Absicherung im Alter und die Möglichkeit, sich Wohneigentum leisten zu können. Er unterstrich, wie wichtig es sei, das Selbstvertrauen der Auszubildenden zu stärken, um sie bei beruflichen Herausforderungen zu unterstützen.

Henner Pasch, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), kritisierte bei jüngeren Beschäftigten eine nachlassende Arbeitsmoral und geringeres Engagement. Er verwies auf häufige Krankschreibungen und die Tendenz von Bewerbern, Work-Life-Balance höher zu gewichten als langfristiges Karrierewachstum. Pasch betonte jedoch auch, dass ältere Generationen in der Pflicht stünden, junge Menschen dabei zu unterstützen, ihre Erwartungen realistischer auszurichten. Daniel Bielecki, Vorsitzender des Remscheider Jugendrats, wies darauf hin, dass viele Auszubildende eine Lehre ohne echtes Interesse beginnen, was zu geringer Motivation führe. Alexander Lampe vom Remscheider Industrieausbildungszentrum teilte die Sorge über mangelnde Kommunikation zwischen Arbeitgebern und Jugendlichen hinsichtlich der Vorteile einer Berufsausbildung. Beide forderten klarere Informationen und eine stärkere Begleitung, um die Bindung an den Beruf und die Zufriedenheit zu erhöhen.

Angesichts Tausender junger Bewerber, die weiterhin um eine Lehrstelle kämpfen, rückt nun die Überbrückung der Lücke zwischen den Anforderungen der Arbeitgeber und den Erwartungen der Auszubildenden in den Fokus. Die hohe Abbrecherquote und die veränderten Prioritäten junger Arbeitnehmer unterstreichen die Notwendigkeit struktureller Reformen in der Berufsorientierung und -förderung. Wirtschaft und Bildungsträger setzen sich für einen besseren Dialog und Maßnahmen zur Stärkung des Selbstbewusstseins ein, um der deutschen Belegschaft eine stabilere Zukunft zu sichern.